Die menschliche Entwicklung im Lichte des STAGES-Modells

Das Wunder menschlicher Entwicklung von der Geburt bis zu den reiferen Stadien des Erwachsenseins

Welches Wunder zu sehen, wie ein Baby nach der Geburt mit seinem unwiderstehlichen Lächeln Mutter und Vater für sich gewinnt, wie es sich zu bewegen lernt, wie es herausfindet, was zu ihm selbst und was zu anderen gehört, wie es die ersten Worte brabbelt und dann sich immer mehr die Welt erobert und mit seinem Körper, seinen Gefühlen, seinen Gedanken und seinen sozialen Kontakten umzugehen lernt.

In diesem Prozess der kindlichen Entwicklung geht ein Kind immer wieder entscheidende körperliche, emotionale, mentale und soziale Schritte. Während es zum Beispiel für eine ganze Zeit glaubt, dass es nicht gesehen werde, wenn es sich die Hände vor die Augen hält, wird ihm irgendwann bewusst, dass es von einem anderen auch dann gesehen werden kann, wenn es diesen selbst nicht sieht. Das ist ein Beispiel für einen enormen Entwicklungsschritt, von denen es in der menschlichen Entwicklung viele gibt. Solche Entwicklungsschritte hören keineswegs auf, wenn die Jugendlichen erwachsen werden. Vielmehr kann die Entwicklung auch im Erwachsenenalter weitergehen.

In einer späteren Entwicklungsphase beginnen Menschen z.B. ihre Gedanken und Gefühle zu beobachten und über ihre Handlungsimpulse zu reflektieren. Und noch etwas später lernen sie ihre Persönlichkeitsanteile kennen. Da entdecken sie vielleicht einen Teil, der eher schüchtern und zurückhaltend ist und einen anderen Teil, der sich als wahrer Draufgänger gibt. Und sie lernen – mit etwas Geduld und Glück – zwischen entgegengesetzten Tendenzen in ihrem Inneren ein Gespräch zu initiieren und die Gegensätze in einem reiferen Selbst zu integrieren.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die menschliche Entwicklung irgendwann zu einem Ende kommen müsste. Jedoch lässt sich beobachten, dass manche Menschen mit einer bestimmten Entwicklungsstufe zufrieden sind und nicht mehr weiter wachsen möchten. Das ist ihr gutes Recht.

Die wissenschaftliche Erforschung der menschlichen Entwicklung ist über 100 Jahre alt. Zu ihr beigetragen haben zum Beispiel Forscher wie James Mark Baldwin (1861-1934), Jean Piaget (1896-1980), Clare W. Graves (1914-1986), Jane Loevinger (1918-2008), Robert Kegan (* 1946) und viele andere.

Das STAGES-Modell der menschlichen Entwicklung

Das STAGES-Modell der menschlichen Entwicklung wurde von Terri O’Fallon (PhD) entwickelt. Es beruht auf mehr als zehn Jahren gründlicher wissenschaftlicher Forschung, die kontinuierlich fortgesetzt wird. Terri O‘Fallon baut dabei insbesondere auf den Forschungsarbeiten zur Ich-Entwicklung von Jane Loevinger und Susanne Cook-Greuter auf.

Im STAGES-Modell wird sichtbar, dass Kinder und Jugendliche sich primär auf konkrete Objekte beziehen wie einen Ball, ein Pferd, ein Fahrrad, Oma und Opa, eine Freundin oder einen Freund. In einer darauf folgenden Entwicklungsschicht beginnen die Menschen subtile Gegenstände wie Gedanken, Gefühle, Beziehungen, Kontexte oder Systeme zu thematisieren. Und in einer noch späteren Entwicklungsschicht wird das Gewahrsein selbst zu einem Gegenstand des Gewahrseins. Diese drei Schichten der menschlichen Entwicklung werden im STAGES-Modell konkrete, subtile und metabewusste Schicht genannt. Jede dieser drei Schichten (konkret, subtil, metabewusst) enthält vier Entwicklungsstufen. Betrachtet werden also zwölf Entwicklungsstufen, die mit den Ziffern 1.0, 1.5, 2.0 bis zu 6.5 bezeichnet werden. Für diese zwölf Schichten gibt es reichhaltiges empirisches Material aus Satzergänzungstests. Hypothetisch wird eine weitere Entwicklungsschicht, die einheitsbewusste Schicht, angenommen, bestehend wiederum aus vier weiteren Entwicklungsstufen. Für diese gibt es jedoch noch kein empirisches Material, das diese Hypothese stützen würde.

Eine Entwicklungsstufe ist ein in sich stimmiges Gefüge von Perspektiven und Überzeugungen, das beschreibt, wie ein Mensch auf dieser Stufe zumeist denkt, fühlt und handelt. Menschen bewegen sich in ihrem Alltag normalerweise auf mehreren Stufen, wechseln je nach Kontext von der einen zu der anderen und fallen unter Stress manchmal auch mehrere Stufen zurück, d.h. sie erfahren einen so genannten Schatteneinbruch. Sie verhalten sich dann vorübergehend zum Beispiel wie ein dreijähriges Kind in der Trotzphase (was der Stufe 1.5 im STAGES-Modell entspricht). Schwerpunktmäßig denken, fühlen und handeln sie jedoch aus einer Stufe heraus, die man auch als ihren Entwicklungsschwerpunkt bezeichnen kann. Gelegentlich erfahren sie sich in einer späteren Stufe, die noch nicht stabil zur Verfügung steht und häufig finden sie Rückhalt in einer früheren unterstützenden Stufe, die ihnen in ihrer ganzen Breite und Tiefe vertraut ist.

Vielfältige Anwendungen des STAGES-Modells

Das STAGES-Modell kann in vielfältiger Weise praktisch angewendet werden:

  • Es gibt uns Einblick in den eigenen momentanen Entwicklungsort, in vorherrschende Denk-, Fühl- und Handlungsweisen, in Stärken und Schwächen, in Schatteneinbrüche und in die Perspektiven des weiteren Wachstums von Persönlichkeit und Bewusstsein.
  • Es eröffnet uns neue Möglichkeiten in Beratung, Coaching und Psychotherapie, auf die Klienten einzugehen und sie in einer Entwicklungsperspektive zu unterstützen.
  • Es verschafft uns neue Einsichten in die sich entwickelnde Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern in allen Phasen der Kindheit, im Jugendlichenalter und im Alter von jungen Erwachsenen.
  • Es vermittelt uns ein entwicklungsbasiertes Verständnis von Erziehung und Bildung in Schule, Berufsausbildung, Universität und Erwachsenenbildung.
  • Durch einen neuen Blick auf die Entwicklung von Systemzusammenhängen und -kontexten ermöglicht es auch eine sehr viel breiter angelegte Beratung auf dem individuellen Berufsweg und der Entwicklung von ganzen Organisationen.
  • Das STAGES-Modell gibt uns nicht nur Auskunft über die individuelle Entwicklung, es lässt uns auch gesellschaftliche Strukturen und Prozesse, geschichtliche Entwicklung, kulturelle Konflikte und Anpassungsprozesse, sowie soziales Lernen aber auch soziale Irrwege verstehen.
  • Schließlich bieten sich auch neue Chancen im Verständnis von Spiritualität, da sich mit STAGES das ganze Spektrum der Bewusstseinsentwicklung außerordentlich nuanciert und selbsttransformierend erkennen lässt.

Zertifizierter STAGES-Auswerter (Scorer), -Berater (Debriefer) und Developmental Practitioner

Als von STAGES zertifizierter Auswerter von Entwicklungsprofilen (Scorer), Berater zu den Entwicklungsprofilen (Debriefer) und Developmental Practitioner wende ich die Perspektiven und Einsichten von STAGES in meiner Lebens- und Konfliktberatung an, und ich erstelle auch gerne für Sie ein Entwicklungsprofil (Assessment), durch das Sie einen tiefen Einblick in Ihre gegenwärtige Entwicklungsstufe erhalten. Diese Qualifikationen habe ich im Zuge von mehrjährigen, anspruchsvollen und gründlichen Fortbildungsgängen mit anschließender Supervision erworben.

 


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Lebens- und Konfliktberatung in personzentrierter und entwicklungsorientierter Perspektive, Alexander-Technik, Meditation, HeartMath-Produkte und -Coaching

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